Veränderungen in der Gesellschaft

Veränderungen in der Gesellschaft

Ausführungen und Handreichungen des VdM: Perspektiven der/zur Inklusion

(aus: Potsdamer Erklärung des VdM "Musikschule im Wandel - Inklusion als Chance)

 

 

a) Handlungsfeld allgemein bildende Schule und Musikschule

 

Zunehmend erscheint es geboten, die bisherige Hauptzielgruppe der Kinder und Jugendlichen an Musikschulen neu auf ihre Ansprechbarkeit (Schulzeitverdichtung und Schulzeitverkürzung) durch das Musikschulangebot in den Blick zu nehmen.

 

Wesentliches Merkmal von Inklusion sind Wertschätzung und Anerkennung von Diversität in Bildung und Erziehung. Dies erfordert eine Ausrichtung von Strukturen und Prozessen, von Zielen, Inhalten und Methoden auf das Prinzip der Heterogenität und damit auf individuelle Entwicklungs- und Teilhabemöglichkeiten. Richtig gestaltete Inklusion muss daher die 10% Musikschul-Schüler/innen der Gesamtpopulation einer Alterskohorte in ihrem jeweiligen musikalischen Bildungsweg unterstützen und darf sie nicht in ihrer Entfaltung behindern. Regelverständnis und Können in der Musik sind Parameter, die vor allem Zeit, Zugänge und schulorganisatorische Maßnahmen erfordern – individuell wie in der Gemeinschaft. Dabei müssen verändertes Übeverhalten und veränderte Bindungsmöglichkeiten aufgrund zunehmender schulischer Anforderungen und Zeitbeschränkungen in geeigneter Weise aufgefangen werden.

 

Dazu notwendige Bedingungen – auch Verhinderungsaspekte – musikalisch-fachlicher Art sind klar zu benennen:

 

  • Zeiten für individuellen und gemeinschaftlichen Unterricht in Instrument, Stimme, Ensembles müssen erhalten bleiben bzw. neu oder wieder geschaffen und nutzbar werden.
  • Räume für individuellen und gemeinschaftlichen Unterricht in Instrument, Stimme, Ensembles müssen erreichbar und zugangsoffen sein.
  • die schulorganisatorischen Rahmenbedingungen müssen individuelles musikalisches Lernen ermöglichen (z.B. Drehtürmodell, Rhythmisierung, ... ). Begabungen müssen sich entfalten können und begleitet werden können.
  • Kooperationen zwischen Musikschule und allgemein bildender Schule müssen auf die musikalischen Bildungsbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet sein. Dabei sollen Partizipationsmöglichkeiten von SchülerInnen und Eltern zur Geltung kommen. Auch den Lehrkräften sind hierfür durch die Länder als Dienstherren hinreichende Unterstützung und Freiräume zu gewähren.
  • Kooperationen müssen verbindlich, kommunikationssicher und qualitätvoll angelegt sein und dabei möglichst flächendeckend durch entsprechende Absprachen und normative Regelungen auf Landesebene realisierbar sein und auf örtlicher Ebene abgestimmt werden (Runder Tisch, ... ).
  • In diesem Zusammenhang müssen Kooperationsformen auch neu gedacht werden können (individuelle Nutzung des Musikschulangebotes nicht nur nachmittags; „Samstags-Musikschule“; Musikschule als „anderer“ Lernort, ... ).

 

b) Handlungsfeld KiTa und Musikschule

 

Musikalische Bildung folgt im frühen Lebensalter dem Inklusionsziel vor allem durch ganzheitliche pädagogische Angebote und inklusive Settings. Musikalische Bildung in den ersten Lebensjahren und im Vorschulalter generell unterstützt gelingendes Aufwachsen und Chancengerechtigkeit bei Selbstentwicklung, Bildung und Erziehung. Der VdM hat in seinem 2010 veröffentlichten „Bildungsplan Musik in der Grundstufe/Elementarstufe“ als Korrespondenzpapier zu den Bildungs- und Erziehungsplänen der Länder den Leitgedanken einer inklusiven Pädagogik bereits damals in geeigneter Form Rechnung getragen. Ebenso zeigt die VdM-Arbeitshilfe „Kulturelle Vielfalt in der Grundstufe/Elementarstufe“ (2011) profilierte Beispiele für eine inklusionsorientierte Pädagogik, in der Heterogenität und Diversität sinnvoll erlebt und gestaltet werden.

 

Von Einrichtungen im Vorschulbereich muss gefordert werden, dass Musik inklusiver Bestandteil des vorschulischen  Bildungsangebotes ist. Konstitutive Parameter hierfür sind Qualität, Kontinuität und das konstitutive Vorhandensein beider Formen der Begegnung des Kindes mit Musik – einerseits mit Musik als genuinem Bildungsinhalt, andererseits mit Musik als Methode in anderen Feldern des KiTa-Alltags (Spiel, Motorik, Sprache, Interaktion, ... ).

 

Musikalische Bildung soll die Jüngsten in unserer Gesellschaft im besten Sinne ganzheitlich erreichen; dabei sollen vielfältige musikalische Grunderfahrungen möglich sein: mit der eigenen Stimme, mit dem Zusammenhang von Musik und Bewegung, mit klingenden Materialien bis hin zu elementarem Einsatz von Instrumenten. Je nach Alter sind zwar unterschiedliche Entwicklungsfenster und Erschließungsmöglichkeiten angesprochen. Angestrebt ist aber immer musikalische Bildung in ihren vielen Erfahrungsdimensionen: sinnliche Erfahrung, Erschließung musikalischer Strukturen oder auch Verbindungen zu anderen Ausdrucksformen wie zu Malen oder szenischem Spiel sind hier nur einige Elemente einer solchen Polyvalenz musikalischer Bildungsprozesse. Als deren Konsequenz bildet das Kind kognitive, emotionale und körperliche wie motorische Muster in zunehmender Differenzierung aus (z.B. Begriffe, Ausdrucksnuancen oder Spielbewegungen). Dabei sollen nach der Leitvorstellung der Stimmigkeit, die sich für das einzelne Kind in seinem Umfeld ergibt, höhere Sensibilität, differenziertere Wahrnehmung, Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeit sowie emotionale Kompetenz gewonnen werden können – wachsende musikalische Kompetenz kann durchaus den Spaßfaktor für Kinder erhöhen. Kinder sind immer Entdecker: die Auseinandersetzung mit vielfältigem musikalischen Material aus unterschiedlichen Kulturen bereichert und ist darauf angelegt, Kommunikationsräume zu erweitern. Immer braucht es zur Ermöglichung von Bildungsprozessen auch Raum dafür, dass Kinder eigene Impulse in das musikalische Bildungsangebot in der Kindertageseinrichtung, in den Unterricht der Musikschule, in das gemeinsame Musizieren einbringen können, damit Musik so zu ihrem  persönlichen „Eigentum“ werden kann.

 

Hier fügt sich der Bildungsplan Musik für die Elementarstufe/Grundstufe nahtlos in das ganzheitliche Bildungsverständnis des „Gemeinsamen Rahmens“ von KMK und JMK ein, der Lernen im sozialen Kontext sowie Orientierung an individuellen Bildungsprozessen fordert und erkundende und spielorientierte Lernformen mit Sinnes- und Bewegungserfahrungen favorisiert. Damit gewährleisten die VdM-Musikschulen die Möglichkeiten sowohl altersangemessener Bildungsziele wie auch inklusiver musikalischer Praxis und Musikpädagogik in besonderem Maße.

 

Die Aufgaben des Bundesverbandes und der Landesverbände

 

  • Unterstützung durch entsprechende Fachimpulse, durch Öffentlichkeitsarbeit und politischen Diskurs mit den zuständigen Entscheidungsebenen
  • Angebote von Fortbildungen: den Zielen von Inklusion folgende Pädagogik, ausgehend vom jeweiligen Kontext des Alters und soziografischen Implikationen.
  • Entwicklung und Verankerung von Modellen und Konzepten für Schaffung und Sicherung individueller Lernzeiten und Lernorte
  • Entwicklung und Verankerung von Modellen und Konzepten für Schaffung und Sicherung angemessener Zeiten und geeigneter Orte für differenzierte gemeinschaftliche musikalische Bildungsprozesse
     

Die Aufgaben der Musikschulen vor Ort

 

Ausgehend von folgenden Fragestellungen entwickelt die Musikschule adäquate Konzepte und Angebote, eigenständig oder in Kooperation mit den allgemeinbildenden Schulen und den Ländern als Regelungs- und Aufsichtsinstanzen bzw. in Kooperation mit den Kindertageseinrichtungen und ihren Trägern:

 

  • Erreicht die Musikschule die Strukturen und Zielgruppen vor Ort?
  • Gibt es adäquate und attraktive Angebote für Schulalter und für die Jüngsten?
  • Gelingt es, Zugänglichkeiten für ein inklusives, differenziertes und kontinuierliches musikalisches Bildungsangebot durch Schaffung angemessener Zeitstrukturen zu eröffnen?
  • Gelingt es, Zugänglichkeiten für ein inklusives, differenziertes und kontinuierliches musikalisches Bildungsangebot durch Schaffung und Bereitstellung geeigneter Räume und Ressourcen zu eröffnen?
  • Werden die unterschiedlichen Kompetenzen im Kollegium – auch durch geeignete Fortbildungen - für die musikalische Arbeit mit diesen Zielgruppen genutzt und entwickelt?
  • Gelingen Kooperationen mit allg. Schule (des gemeinsamen Lernens) und Vorschuleinrichtungen in formaler wie inhaltlicher Hinsicht?
  • In welcher Form ist die Musikschule in Kooperationen mit solchen Einrichtungen tätig?  

 


 

Weitere Information zu Kooperationen:

Bildungspartner Musikschule

 


 

 

Kinderorchester und Trommelpover „Flüchtlingskinder“

musizieren gemeinsam. Foto: Hamburger Konservatorium

Willkommen in den Musikschulen: Engagement für Flüchtlinge

Angebote der öffentlichen Musikschulen für Flüchtlinge und Asylsuchende

 

 

 

 

 

 

 

 


Literatur

Bildungsplan Musik für die Elementarstufe/Grundstufe

Produktbeschreibung

Der Bildungsplan bietet ausführliche Beschreibungen aller Angebotsformen in der Elementarstufe/Grundstufe, wie sie im neuen VdM-Strukturplan aufgeführt sind. Daneben enthält er Kapitel zu kultureller Vielfalt und Inklusion in der Elementarstufe/Grundstufe, umfassende Kapitel zu Kooperationen mit Kindertagesstätten und Grundschulen, eine umfangreiche Literaturliste mit Übersichten über gängige Lehrwerke sowie zahlreiche Materialien und Dokumente auf einer beiliegenden CD-ROM.

VdM Verlag Bonn

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Faltblatt "Musikalische Bildung von Anfang an"

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(c) Verband deutscher Musikschulen e.V., www.musikschulen.de
gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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