Musikschulkongress '05
Musik verbindet - Partner Musikschule

 

 

Grußwort von Dr. Gerd Eicker zur Eröffnung des Musikschulkongresses ’05 am 29. April 2005 im Congress Center Essen

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Schmidt,
sehr geehrte Frau Ministerin Schäfer,
sehr geehrte Frau Mohn,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Kleine-Möllhoff,
sehr geehrter Herr Krüger,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

kennen Sie diese Tonfolge? b – f – a? Sie haben sie bestimmt schon gehört. Danach folgt in der Regel der schlichte aber deprimierende Satz: Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Wie wohltuend ist doch dagegen die Musik in der Warteschleife. Ich weiß, ich werde verbunden. Die Musik signalisiert mir – gleich ist jemand für mich da. Musik verbindet eben. Wenngleich diese Warteschleifen nervig sein können – selbst die wunderschöne Musik unseres Verbandes kann nicht wirklich beruhigen, aber ich fühle mich zumindest mit dem Verband verbunden. Clevere Marketing-Menschen haben diese besondere Wirkung der Musik in der Stress-Situation des Wartens entdeckt und kommerziell ausgenutzt. Warteschleifenmusik gehört heute zum guten Ton eines Unternehmens. Bleiben wir noch einen Augenblick beim Telefon. Ein ganzer Markt mit Tönen hat sich hier aufgetan, mit Klingeltönen, die angeblich schon süchtig machen sollen. Warum werden unsere Kommunalpolitiker noch nicht süchtig nach Musikschulen? Aber das kann ja noch kommen.

Aber sehr ernsthaft nun: Der Musik liegt etwas sehr Merkwürdiges inne, das in der Tat Menschen miteinander verbindet. Liszt nannte sie die universelle Sprache der Menschheit, wir bezeichnen sie oft als die Sprache der Seele, der emotio. Deshalb gefallen uns auch längst nicht alle Warteschleifentöne – unsere Gefühlslagen sind nun einmal sehr unterschiedlich. Aber gerade das bewirkt erst die ungeheuere Vielgestalt in unserer Musikkultur. Und diese Vielgestaltigkeit ist keine feste Größe, sondern erfährt täglich Wandlungen, neue Farben und Formen.

 

Unsere Kinder damit vertraut zu machen, haben sich die Musikschulen seit über 50 Jahren zur Aufgabe gemacht. Vertraut im Sinne eines sich darin Bewegenkönnens, nicht nur etwas davon gehört haben, wie Klingeltöne eben. Sich in der Musik selbst bewegen können, nicht nur sich bewegen lassen, selbst Verbindung aufnehmen können, nicht warten müssen, bis der andere frei schaltet, setzt Wissen und Können voraus, die nur in der unmittelbaren Beschäftigung mit Musik, also im Selbst-Tun erworben werden können. Wenn wir möglichst jedem Menschen die Möglichkeit bieten, diese Fähigkeit zu erwerben, in dem seiner Persönlichkeit entsprechenden Ausmaß und der entsprechenden Ausformung, dann können sich Menschen mit Hilfe der Musik verbinden. Dann wird Musik zur universellen Sprache, da sie universell beherrscht wird.

 

Dieser Aufgabe haben sich die Musikschulen gestellt und die dort tätigen Pädagoginnen und Pädagogen werden in den 32 Arbeitsgruppen, den fünf Foren und den beiden Plenen Anregungen, Ideen und vielleicht Initialzündungen erfahren, die ihnen das Verbindende unserer besonderen Sprache, der Musik, noch deutlicher werden lassen.

So können Kulturen miteinander verbunden werden, dargestellt an der interkulturellen musikalischen Arbeit mit Kindern in Dortmund. Eine weitere Verbindung, die heute manchmal so schwer zu fallen scheint, gelingt mit Hilfe der Musik: die der Generationen – demonstriert an einem generationsübergreifenden Musikschulunterricht.

 

Wenn mehrer Verbindungen zwischen verschiedenen Partnern bestehen, nennt man das heute wohl Vernetzung. Eine solche ist mit den unterschiedlichsten Jugendeinrichtungen und der kommunalen Musikschule durchaus möglich, eben mit Musik. Auch die Vernetzungen mit der professionellen Szene ist ein Thema dieses Kongresses: Audience Development für Konzerthäuser und Festivals mit Musikschulen als Kooperationspartner lautet der Titel der entsprechenden Arbeitsgruppe.

Eminent wichtige Kooperationspartner sind natürlich die allgemein bildenden Schulen. Entsprechend groß ist das Angebot an Arbeitsgruppen, seien es die verschiedensten Formen und Arten von Klassenunterricht mit Zupf-, Tasten-, Streich- und Perkussionsinstrumenten (die Bläser hatten wir schon im letzten Kongress) oder auch einfach der Notruf "Hilfe, ich arbeite mit einer Klasse". Dass diese Kooperation nicht neu ist, sonder nur immer wieder neue Elemente und Akzente erfährt, zeigt die Arbeitsgruppe "Kooperation Musikschule – Sonderschule/Förderschule seit 25 Jahren".

Alle diese Verbindungen sind jedoch äußere, sind Verbindungen zwischen Menschen und Institutionen. Was Musik im Menschen verbindet, darüber wird uns Prof. Spitzer im ersten Plenum Erkenntnisse aus der Hirnforschung vermitteln und zu welchen Erkenntnissen die Bundespolitik in Verbindung mit musikalischer Bildung möglicherweise gelangen wird, darüber wird im zweiten Plenum die Vorsitzenden der Enquete-Kommission, Gitta Connemann, berichten. Beginnen wir also diesen Kongress – offen für alle Verbindungen, die uns die Musik ermöglicht. Ich danke Ihnen.


 

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