23.03.2020 | VdM Verband deutscher Musikschulen

Brief der Bundesvorsitzenden des VdM an die Träger der VdM-Musikschulen, die Musikschulleitungen und Lehrkräfte

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Nun ist Corona über uns hereingebrochen, und es gibt kaum einen Bereich unseres privaten und beruflichen Lebens, in dem unsere eingeübten Verhaltensmuster, unsere spontanen wie auch erfahrungsgestützten Einschätzungen, die Quellen unserer Motivation, unser Bedürfnis nach Nähe, nach Anerkennung, unsere Freude an Wirksamkeit nicht in Frage gestellt sind und neuer Orientierung bedürfen. Die Geschwindigkeit, mit der sich stündlich alles Gewohnte verändert, ist schier nicht zu erfassen.

 

Einige werden sich in letzter Zeit auch gefragt haben, wo wir mit dem, was wir im Bewusstsein um die gesellschaftliche Relevanz unserer Arbeit tun, in der öffentlichen Wahrnehmung überhaupt vorkommen: Zwischen Regelschule auf der einen Seite und den selbständigen Künstlerinnen und Künstlern auf der anderen Seite fehlte der Bereich der musikalischen Bildung. Im Spannungsfeld zwischen Lebensnotwendigem wie Krankenhäusern, Lebensmittelgeschäften und Tankstellen auf der einen und zeitweilig eher Verzichtserklärung wie bei Kirchen, Theatern und Bordellen auf der anderen Seite suchte man vergeblich den Stellenwert unserer Angebote. Dass wir dann irgendwann doch relevant genug waren, um per Regierungsverlautbarung geschlossen zu werden, mag uns somit fast zynisch vorkommen.

 

Was in „normalen“ Zeiten einzelne Mitgliedsschulen durchleben, deren kommunales Umfeld sich plötzlich komplett verändert, deren Existenz bedroht ist, entwickelt sich nun zu einer kollektiven Erfahrung, zu einem gemeinsamen Lebensgefühl der gesamten Musikschul-Familie. Die Sorge um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob angestellt oder frei, unsere Verantwortung für den Erhalt der für musikalische Bildung lebenswichtigen Strukturen schiebt sich in der Prioritätenliste vor manches andere attraktive und öffentlichkeitswirksame Projekt. Wir spüren mehr als in „guten Zeiten“ den Wert der Verlässlichkeit von Anstellungsverhältnissen, Tarifverträgen und langfristigen Förderzusagen.

 

Viele von uns ergreifen die Chance, die Möglichkeiten der Digitalisierung noch offensiver, noch früher und noch intensiver zu nutzen: für die Aufrechterhaltung des Unterrichtes, für kollegiale Abstimmung, für Fortbildung und schließlich das große Bedürfnis, in Verbindung zu bleiben. Dabei wird vielleicht zwischenzeitlich die Anwendung der Bestimmungen des Datenschutzes im Einzelfall auf Verhältnismäßigkeit zu überprüfen sein. Eine gute Kommunikation mit den Eltern unserer Kinder und Jugendlichen – vielleicht eine neue Aufgabe und Chance für Elternvertretungen und Fördervereine – könnte dabei helfen, für ein Aufrechterhalten der Gebührenzahlungen oder den Verzicht auf Erstattungen und Abmeldungen zu werben, zum Beispiel, indem der Wert und die Bedeutung einer digital gestützten Fortsetzung des Unterrichtes erfolgreich vermittelt wird. Unser letztes Kongress-Motto „Musik teilen – Menschen gewinnen“ erhält so für die Musikschulen eine noch einmal gesteigerte Relevanz.

 

Bei all dem auf uns einstürzenden Regelungsbedarf werden sich viele sicherlich die Frage stellen, woraus wir als Musikerinnen und Musiker, als Lehrende, als Verantwortliche für die Ermöglichung von Musik und musikalischer Bildung unsere Motivation nähren.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, trotz unserer eigenen guten künstlerisch-pädagogischen Ausbildung, berufsbegleitenden Lehrgänge, sonstigen Fort- und Weiterbildungen müssen wir heute auf einige unserer musikertypischen Stärken bauen: auf unser Qualitätsbewusstsein, unser Improvisationsvermögen, unsere Sensibilität – auch für leise Töne – und auf unseren langen Atem. Die Situation fordert jetzt noch mehr als sonst ein schnelles Handeln. Auch da brauchen wir Musiker-Qualitäten: Verzeihen wir uns und unseren Partnern Fehler oder vorschnelle und unabgestimmte Handlungen, die im Eifer des Gefechts sicher nicht ausbleiben, und blicken wir wie auf dem Podium bei einem guten Konzert nicht verärgert nach hinten, sondern mutig nach vorn!

 

Wir wünschen Ihnen und uns, dass wir in der Krise unseren Blick schärfen für das, was wirklich wesentlich ist, dass in der Krise unsere Kreativität und Solidarität wächst, und dass uns die Orientierung, das Gespür für das rechte Maß und die Verhältnismäßigkeit nicht verloren gehen.

 

Wir als VdM begreifen es als unsere Aufgabe,

  • Ihnen so aktuell wie möglich, verlässliche und verständliche Informationen in allen rechtlichen Fragen um Lohnfortzahlung, Honorare, Schulgeldeinnahmen, Datenschutz, etc. zukommen zu lassen,
  • Sie in praktischen Fragen rund um die Digitalisierung, wie Online-Unterricht, Online-Konferenzen etc. mit Rat und Best-Practice-Beispielen zu unterstützen,
  • uns in allen Aktivitäten mit den Landesverbänden optimal abzustimmen.
  • auf Bundesebene bei den kommunalen Spitzenverbänden, bei den zuständigen Ministerien, in der Kultusministerkonferenz, im Deutschen Musikrat und im Deutschen Kulturrat für die Bedeutung außerschulischer musikalischer Bildung zu werben und den Unterstützungsbedarf wirksam zu unterstreichen.

 

Wenn uns das gelingt, haben wir die Chance, aus dieser Krise gestärkt und mit einem klaren Blick für das, was wirklich tragfähig ist, hervorzugehen. Vielleicht sogar mit dem guten Gefühl, erfahren zu haben, dass wir – an einem Strang ziehend – gemeinsam viel erreichen können.

 

Dies – dazu eine wehrhafte Gesundheit – wünschen wir allen Tragenden, Leitenden und Lehrenden unserer Musikschulen,

danken Ihnen für Ihre Wachsamkeit, Ihren Einsatz und die Übernahme von Verantwortung

und grüßen Sie herzlich

 

Ulrich Rademacher           und           Friedrich Koh Dolge

Bundesvorsitzender                           Stellv. Bundesvorsitzender

 

Brief der Bundesvorsitzenden des VdM an die Träger der VdM-Musikschulen, die Musikschulleitungen und Lehrkräfte vom 23. März 2020


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