Musikschulkongress '03

 

Musikschule - mit Vergnügen! Das Unterhaltende in der Musik

Plenum I

 

 

 

 

 

 

Öffentliche Musikschulen sind Teil des deutschen Bildungssystems – Podiumsdiskussion

 

Einführung: Dr. Gerd Eicker, Verband deutscher Musikschulen

 

Diskussionsteilnehmer: Reinhard Mohaupt, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Muchtar Al Ghusain, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Raimund Bartella, Deutscher Städtetag, Reiner Beckedorf, Deutscher Landkreistag, Georg Kindt, Verband Deutscher Schulmusiker

 

Moderation: Isabel Pfeiffer-Poensgen, Stadt Aachen

 

Die Ergebnisse der Pisa-Studie haben in der Öffentlichkeit eine längst fällige Diskussion der Inhalte und Strukturen des deutschen Bildungssystems ausgelöst. In vielen Bundesländern spielt dabei der wachsende gesellschaftliche Konsens hinsichtlich schulischer Ganztagsangebote eine Rolle, die für die Musikschule, wie aber auch für die allgemein bildende Schule ganz entscheidende Struktureinschnitte gegenüber der bisherigen Praxis bringen.

 

Für die öffentlichen Musikschulen ist dies eine Chance und Herausforderung, aktiv an der Gestaltung neuer Konzepte mitzuwirken, wie sie das Programm "Zukunft Bildung und Betreuung" im Koalitionsvertrag der Bundesregierung anregt. Der in Hamm 2002 neu gewählte Vorstand des VdM hat dazu eine Strategiekommission eingesetzt, die bereits auf vielfältige Weise in Dialog zu dieser Frage auf politischer Ebene getreten ist. Das Memorandum des VdM zu diesem Thema war in zweiter Auflage von nahezu 100.000 Exemplaren schnell vergriffen. Die Richtigkeit der darin vertretenen Argumente wurde durch außerordentlich ermutigende Reaktionen führender Politiker aus Bund und Ländern bestätigt (siehe nmz 04/2003, S. 27 und 05/2003, S. 27).

 

Ein wesentliches Element in den Überlegungen zur Bildungskonzeption der Zukunft ist der Ausbau von Kooperationen zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen. Die große Umfrage 2002 des VdM unter seinen Mitgliedschulen zeigte, dass - z.T. schon in langer Tradition - in dem Zusammenwirken von Musikschulen und allgemein bildenden Schulen zahlreiche gangbare Wege für eine Neugestaltung der Erziehungslandschaft praktiziert werden.

 

Auf dem Musikschulkongress '03 wurde in Plenum I diesen wichtigen Themen im Gespräch mit Vertretern unterschiedlicher politischer Handlungs- und Entscheidungsebenen erneut ein Podium zur Verfügung gestellt. Diskussionsteilnehmer waren:
Dr. Gerd Eicker (Verband deutscher Musikschulen), der auch in die Historie des Themas und dessen Bedeutung für den VdM einführte,

 

 



Reinhard Mohaupt (Bundesministerium für Bildung und Forschung),
Muchtar Al Ghusain (Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur),
Raimund Bartella (Deutscher Städtetag),
Reiner Beckedorf (Deutscher Landkreistag) und
Georg Kindt (Verband Deutscher Schulmusiker).
Die Moderation hatte Isabel Pfeiffer-Poensgen, Kulturdezernentin der Stadt Aachen und Mitglied im VdM-Vorstand.

 

Das Musikalische im Leben

 

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer in dem Ziel, so viel Kinder und Jugendliche als möglich so früh als denkbar an musikalische Erziehung und Bildung heranzuführen. "Durch Musikausbildung und Musikerziehung ist die entscheidende Chance gegeben, das Musikalische im Leben überhaupt zu verankern", so Reinhard Mohaupt. Entsprechend seiner Zuständigkeiten beteilige sich das BMBF daran, entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen und praktische Modelle (wie z.B. mit VdM und vds) zu erproben. Kulturelle Bildung könne letztlich unter dem Begriff ‚Lebenslanges Lernen' zusammengefasst werden, wobei ein wesentlicher Bestandteil Musikschulen, Jugendkunstschulen und andere kulturpädagogische Einrichtungen seien.

 

Reiner Beckedorf verwies ebenfalls darauf, dass das Bildungssystem mehr sei als allein das schulische Bildungssystem. Auch seitens des Deutschen Landkreistages würden öffentliche Musikschulen selbstverständlich als Teil des deutschen Bildungssystems betrachtet. Durch die Ganztagsschulen böte sich eine echte Chance für die Musikschulen, bei einer engen Kooperation mit den allgemein bildenden Schulen auch wesentlich besser an die Schüler heranzugehen. "Als Schulträger bekennen wir uns zu unserer Verantwortung und zu unseren Verpflichtungen", so Beckedorf. Wenn es durch verstärkte Musikausbildung in den Ganztagsschulen aber zu höheren Kosten komme, müssten in erster Linie die Länder als die Zuständigen ihren Verpflichtungen nachkommen.

 

Integrative Modelle

 

Raimund Bartella forderte, aufgrund der nach PISA aufgedeckten Defizite in der musisch-kulturellen Bildung über neue Wege nachzudenken. Für die öffentlichen Musikschulen hieße das, auch in Aufgabenfelder wie allgemein bildende Schule und auch Kindergarten einzusteigen.
Gerd Eicker verwies darauf, dass es Aufgabe des Musikschulverbandes hierbei sei, mit seinen Partnern das Musikschulwesen weiterzuentwickeln - durch eine beiderseitige Stärkung, jedoch ohne Verlust der Identität. Eine Zukunft sehe er darin, dass alle interessierten Lehrkräfte an Musikschulen die Möglichkeit einer weiteren Qualifikation haben, die aber vom Land geschaffen werden müsse, um z.B. ein Teildeputat an einer allgemein bildenden Schule übernehmen zu können. Hieraus könne sich vielleicht ein neues Berufsbild entwickeln, mit einer kommunalen Musikschule als Hauptarbeitgeber und einem zusätzlichen Lehrauftrag an einer allgemein bildenden Schule. Für Georg Kind verbänden integrative Modelle zwischen öffentlichen Musikschulen und allgemein bildenden Musikschulen auch das praktische mit dem musikerzieherischen Ziel, Kindern und Jugendlichen so viel Musikerfahrung wie möglich vermitteln zu können. Eine Gefahr bestünde jedoch aufgrund des zunehmenden Lehrermangels. Nur mit ausgebildeten Musikern könne aber der Musikbereich in Ganztagsschulen verantwortungsvoll verankert werden.

 

Muchtar Al Ghusain forderte die Musikschulen auf, auch aufgrund der dramatischen finanziellen Situation die Bedeutung ihrer Arbeit hervorzuheben, um sich im Wettstreit zu behaupten. Zwar habe die Bastian-Studie erheblich dazu beigetragen, einen Paradigmenwechsel und auch ein Umdenken in der Politik einzuleiten. Als Beispiel dafür nannte er den Beschluss der neuen Landesregierung in Niedersachsen, 2.500 neue Lehrer einzustellen. Musikschulen müssten aber dennoch verstärkt politische Lobbyarbeit betreiben, die langfristig anzulegen sei.

 

Bezugnehmend auf die geplanten Gesamtschulen stellte Bartella die Frage nach einem zumindest auf Landesebene abgestimmten Konzept, wie musisch-kulturelle Bildung in der allgemein bildenden Schule tatsächlich vernünftig vorangetrieben werden könne. Die Landesschulminister seien nun aufzufordern, Konzepte vorzulegen und zu Finanzierungsmodellen zu kommen, die diese tatsächlich sicherstellen. Kind stellte fest, dass es bei einer einmaligen finanziellen Spritze für die Einrichtung von Ganztagsschulen nicht getan sei. Auch Eicker betonte die Bedeutung einer konkreten, kontinuierlichen und langfristigen Arbeit. Bildung sei etwas, was man nicht in Projekten abhandeln könne, sondern was langfristig angelegt sein müsse.

 

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