Kulturelle Vielfalt / Diversität

Müzik NRW

"MüzikNRW 2 - Interkulturelle Arbeit an Musikschulen" (2015-2016)

Das Leben in Nordrhein-Westfalen – vor allem in seinen dichten Stadtstrukturen – ist durch einen großen Reichtum an unterschiedlichen Kulturen geprägt. In den nächsten Jahren werden rund 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen in NRW aus migrantischen Kulturen stammen: In dieser Gesellschaft können und wollen öffentliche Musikschulen nicht nur eine vermeintliche Mehrheitskultur vermitteln. Das Wissen vom Wert gemeinsamen kulturellen Lebens für die Gesellschaft verlangt von den Musikschulen, sich mit den Kulturen der Einwanderer zu befassen. Nur das ermöglicht eine kulturelle Teilhabe für alle.

 

Ein gemeinsames kulturelles Leben ist für die Gesellschaft von unschätzbarem Wert. Daher ist es wichtig, dass die Musikschulen die Vielfalt unserer Kultur darstellen und sich gemeinsam mit Menschen aus anderen Kulturkreisen mit deren Musikkulturen befassen. Denn Musik verbindet: Erst die tiefgehende Kenntnis und Wertschatzung der verschiedenen im Land lebenden Kulturen machen ein gutes Zusammenleben aller möglich.

 

Mit dem Projekt „MüzikNRW“ hat sich der Landesverband der Musikschulen in NRW (LVdM) in einem ersten Schritt exemplarisch mit der anatolischen Musikkultur befasst. Die Erkenntnisse sollen im Rahmen von MüzikNRW 2 auf weitere Musikkulturen NRWs und die jeweiligen lokalen Bedingungen vor Ort übertragen werden. Im Zentrum steht dabei das Zusammenführen unterschiedlicher, in NRW lebender Kulturen im gemeinsamen Musizieren.

Neben der Arbeit in transkulturellen Ensembles an Musikschulen bietet MüzikNRW 2 den Musikschulleitern, Lehrkräften, Ensembleleitern, Musikern und Interessenten in Workshops fundierte Unterstützung zu künstlerisch-praktischen und pädagogischen Themen an.

 

MüzikNRW 2 ist ein Projekt des Landesverbandes der Musikschulen in NRW und wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW.

 

 

Veranstaltungen zu MüzikNRW 2

  • MüzikNRW 2: Workshop für interkulturelle Ensembles
    Samstag, 30. April 2016, 11-18 Uhr

    Musikschule Oberhausen (Im Lipperfeld 7a, 46042 Oberhausen)

Die teilnehmenden Ensembles erlernten in drei Gruppen mit der Dozentin Nure Dlovani (Violine) sowie den Dozenten Koray Berat Sari (Klarinette, Bağlama) und Baytekin Serce (Perkussion) Grundlagen des Makamspiels und Stilistiken für Streicher, Bağlama, Blasinstrumente und Perkussion. Im gemeinsamen Ensemblespiel wurde anschließend Repertoire einstudiert und die erarbeiteten Stücke zum Abschluss von der Musikschule Oberhausen professionell aufgezeichnet.

 

  • Samstag, 4. Juni 2016, 11-16 Uhr, Musikschule der Stadt Herten
    "Seminar zur interkulturellen Elternarbeit"
    Übungen zum kultursensiblen Umgang, Grundlagen unterschiedlicher Erziehungsstile, Folgerungen für die pädagogische Arbeit und die Arbeit mit Flüchtlingen. Die Dozentin ist Nuran Joerißen. Die Teilnahme ist kostenlos.
    Zielgruppe: Musikschulleiter, Ensemble-Leiter, alle Interessenten
    Anmeldeschluss: 27. Mai 2016

 

  • Samstag, 17. September 2016, 11-16 Uhr, Musik- und Kunstschule der Stadt Duisburg
    "Improvisation in der Musik anderer Kulturen"
    Zielgruppe: Ensemble-Leiter und Lehrkräfte, alle Interessenten

 

  • Samstag, 5. November 2016, 11-18 Uhr, Josef-Metternich-Musikschule der Stadt Hürth
    "Pädagogischer Workshop zur Improvisation mit Ensembles"
    mit einem Konzert aller Teilnehmer/innen
    Zielgruppe: Ensembleleiter und Lehrkräfte; Ensembles (nachm.)

 

Weitere Informationen und alle Veranstaltungen zu MüzikNRW 2 unter www.lvdm-nrw.de/projekt/mueziknrw

 

 


 

Sprechstunde auf Türkisch

Seminar im Rahmen des Projektes „MüzikNRW“ des LVdM NRW in Essen

 

Im Rahmen des Projekts „MüzikNRW“ des Landesverbandes der Musikschulen in NRW fand am 29. August 2014 die sechste von insgesamt acht Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt „Anatolische Musik in öffentlichen Musikschulen“, diesmal in der Folkwang Musikschule in Essen, statt. Ruddi Sodemann, Projektleiter von MüzikNRW und Leiter der Josef Metternich Musikschule der Stadt Hürth, führte die Teilnehmer des Seminars durch das Thema „Organisation und Arbeit mit interkulturellen Ensembles“. Fokussiert wurde besonders die Verantwortung der Führungsebenen öffentlicher Musikschulen in Bezug auf die Ermöglichung interkulturellen Musizierens im eigenen Musikschulbetrieb. Hierzu führte Sodemann Gespräche mit dem Baglama-Lehrer Yalcin Karakus und der Musikschulleiterin Sabine Fiebig aus Herten. Einen Impulsvortrag gab der Toningenieur Robert Geisler.

 

Yalcin Karakus unterrichtet Baglama, die türkische Langhalslaute, seit 2011 an den Musikschulen Gladbeck, Gelsenkirchen und Herne. Eigentlich wollte Karakus Polizist werden, dann entschied er sich für eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann. Schließlich fand er über JeKi den Einstieg in die Musikschularbeit. „Zunächst waren nicht alle interessiert“, so berichtete Karakus von den anfänglichen Berührungsängsten mancher Kolleginnen und Kollegen mit dem neuen Instrument. Lehrerkonferenzen erlebte Karakus als absolutes Neuland. Unsicherheit prägte den Sprung ins kalte Musikschulgewässer. „Was denken die jetzt über mich? “, so beschrieb Karakus seine Zweifel über die Gleichwertigkeit der Instrumentalgruppen an den Musikschulen. Interesse und Austausch entstanden erst später – angeregt durch Lehrerkonzerte und Vorspiele. Mittlerweile fühlt sich Karakus im neuen Kollegium sehr gut aufgenommen.

 

Die Perspektive der Musikschulleitung vermittelte an diesem Tag Sabine Fiebig, Leiterin der Musikschule Herten. Interkultureller Austausch hat für Fiebig nicht nur eine große persönliche Bedeutung. „Er muss Teil des kommunalen Bildungsauftrages sein“, so Fiebig. Sie selbst kam zunächst über JeKi in Kontakt mit der Baglama. In Herten haben 25 Prozent der Schüler aus dem JeKi-Bereich türkische Wurzeln. Auch aus diesem Grund wurde die Baglama als „Instrument aus einer anderen Kultur“ angeboten. „Ich weiß nichts über dieses Instrument, das wird anderen auch so gehen“, dachte sich die Leiterin aus Herten und plante den „Tag der Baglama“. Dieser sollte als Plattform dienen, das Instrument besser kennenzulernen, neue Ideen zu entwickeln und Kontakte zu knüpfen und um ein neues interkulturelles Miteinander zu etablieren. Dieser Informationstag mit Präsentationen von Instrumentenbauern, Konzerten und Workshops wurde von Eltern, Schülern, Lehrkräften und Interessierten sehr gut aufgenommen. Fiebig möchte die Musikschule als kommunale Bildungsanstalt öffnen und so das städtische Miteinander positiv beeinflussen. Durch verpflichtende Fortbildungen im Bereich „Interkulturelle Kommunikation“ und „Interkulturelle Kompetenz“ soll das Kollegium für den Musikschulalltag künftig noch besser gewappnet sein.

 

Auf der Verwaltungsebene haben sich Sprechstunden auf Türkisch etabliert, die mit Begeisterung angenommen werden. „Viel wird durch eine Willkommenskultur und den Zugang zu Informationen an den Musikschulen geregelt“, so Fiebig. Muttersprachliche Kompetenzen sowohl auf Verwaltungsebene als auch im Unterricht seien Schlüssel für eine bessere Vernetzung und erfolgreiche Elternarbeit.

 

Eine Willkommenskultur an der Musikschule ist nach Fiebig ein Prozess. Neue Lehrkräfte müssen an das System Musikschule herangeführt werden. „Das Gefühl von Alleinsein und Isolation am Arbeitsplatz muss zwingend verhindert werden“, plädiert Fiebig. Fachlicher Austausch und Interesse zwischen Kollegen, Offenheit und Hilfe sowie Mentoren-Programme bereiten neuen Kollegen einen guten Start in der Musikschule und sind die Basis für eine gute Arbeitsatmosphäre.

 

Als Voraussetzung für die Akzeptanz eines Instrumentes an der jeweiligen Musikschule gilt eine angemessene technische Ausstattung und geeignetes technisches Knowhow. Im Rahmen des Seminares referierte Robert Geisler, freier Toningenieur, über die „Baglama – Akustische Abnahme zur elektrischen Verstärkung bei Beschallungsanwendungen“. Teil der Willkommenskultur ist dabei auch die Bereitschaft zu technischen Neuanschaffungen.

 

Das Fazit des Seminares ist: Der sich in Deutschland im Kontext von Migration vollziehende demografische Wandel muss in den Musikschulen noch stärker berücksichtigt werden. Interkulturalität muss an den öffentlichen Musikschulen selbstverständlich sein. Hierdurch entstehen neue Berührungspunkte und es werden Kenntnisse zu neuen Werten und Problemen vermittelt. Es entsteht Neugierde für neue Musik und für ein anderes, offenes Miteinander. In einem Bundesland wie Nordrhein-Westfalen, wo künftig rund 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen durch Migration geprägten Hintergrund haben, wird Heterogenität ohnehin tagtäglich gelebt. MüzikNRW soll dabei eine Hilfestellung sein, kulturelle Diversität auch in den öffentlichen Musikschulen strukturell einzubinden.

Britta Schütz

 

veröffentlicht in: nmz (neue musikzeitung) 10/2014

 

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