09.07.2026 | VdM Verband deutscher Musikschulen

Erfolgreiches Bildungsprogramm „Kultur macht stark“ jetzt fortführen – Verzögerungen gefährden Bildungschancen für Kinder und Jugendliche

Der Entwurf zum Bundeshaushalt 2027 lässt zentrale Fragen zur Zukunft des Bundesprogramms „Kultur macht stark“ offen. Dabei erreicht das bundesweit einzigartige Programm gerade jene Kinder und Jugendlichen, deren Bildungs- und Teilhabechancen besonders gefährdet sind. Jetzt braucht es eine verbindliche Zusage für eine bedarfsgerechte Finanzierung und die Fortführung des Programms. Jede Verzögerung oder Schwächung sendet ein falsches Signal für Bildungsgerechtigkeit in Deutschland.

 

Damit „Kultur macht stark“ ab 2028 ohne Unterbrechung fortgeführt werden kann und Kinder und Jugendliche weiterhin Zugang zu den Bildungsangeboten erhalten, muss der Bundeshaushalt 2027 die erforderlichen finanziellen und haushaltsrechtlichen Voraussetzungen schaffen. Die 27 Programmpartner, darunter der Verband deutscher Musikschulen (VdM), fordern deshalb eine Finanzierung von mindestens 50 Millionen Euro jährlich sowie eine verbindliche Fortführung des Programms für mindestens weitere fünf Jahre, abgesichert durch entsprechende Verpflichtungsermächtigungen ab 2028. Damit würde die Bundesregierung zugleich die Zusage aus dem Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD einlösen. Vor dem Hintergrund der anstehenden Haushaltsberatungen tauschten sich die Programmpartner mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages über die Zukunft des Programms und die notwendigen Voraussetzungen für seine Fortführung aus. Dabei wurde deutlich, dass die Forderungen nach Planungssicherheit und einer verlässlichen Fortführung des Programms über Fraktionsgrenzen hinweg auf große Offenheit stoßen.

 

Dazu Saskia Esken, MdB, Vorsitzende im Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Bildungsgerechtigkeit steht für mich an erster Stelle, wenn es darum geht, Politik für unsere Gesellschaft zu machen. Wir brauchen bildungspolitische Konzepte, die am Wohl aller Kinder und Jugendlichen orientiert sind, und die nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Bildungsangebote außerhalb von Kita und Schule tragen in großem Maße dazu bei, soziale Herkunft und Bildungserfolg zu entkoppeln. Kulturelle Bildung und die aktive Beschäftigung mit Kunst und Kultur bedeuten sowohl das Erleben von Selbstwirksamkeit und persönlichem Wachstum als auch gesellschaftliche Teilhabe. ‚Kultur macht stark‘ ‒ Das trifft es auf den Punkt. Dieses Bildungsprogramm ist, auch vor dem Hintergrund unserer gesellschaftlichen Herausforderungen, wichtiger denn je.“

 

Bewährtes Instrument gegen Bildungsarmut

 

Gerade angesichts der im kürzlich veröffentlichten Bildungsbericht benannten Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung, im Ganztag und in der Medienbildung ist „Kultur macht stark“ ein bewährtes Instrument gegen Bildungsarmut, soziale Spaltung und ungleiche Bildungschancen. Allein in den ersten beiden Jahren der laufenden Förderphase wurden mehr als 250.000 Kinder und Jugendliche erreicht. Über 90 Prozent der Teilnehmenden berichten von gestärktem Selbstvertrauen und größerer Selbstwirksamkeit. Mehr als 90 Prozent der Bündnisakteure sehen einen Mehrwert in der Zusammenarbeit der lokalen Bündnisse, die Kinder und Jugendliche besser erreichen, kommunale Bildungslandschaften stärken und auch über die Förderung hinaus tragfähige Netzwerke schaffen. Gerade diese gewachsenen Strukturen machen die besondere Wirksamkeit des Programms aus. Um sie zu erhalten und Kindern und Jugendlichen auch künftig verlässliche Bildungsangebote zu ermöglichen, braucht „Kultur macht stark“ jetzt Planungssicherheit durch eine verbindliche Förderzusage ab 2028.

 

Dazu der Bundesvorsitzende des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM), Friedrich-Koh Dolge: „Mit seinem Programm MusikLeben fördert der VdM bereits seit 2013 Projekte von Musikschulen und ihren Bündnispartnern im Rahmen von ‚Kultur macht stark‘. Die musikalische Vielfalt dieser Projekte ist beeindruckend: Sie reicht von frühkindlicher Bildung in Kitas über Bläser- und Streicher-AGs im Ganztag bis hin zu selbstgeschriebenen Musicals, Hip-Hop-Kursen und Angeboten für geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien. Bei aller Unterschiedlichkeit verfolgen die Projekte ein gemeinsames Ziel: Kindern und Jugendlichen Räume zu eröffnen, in denen sie ihre Stimme finden, sich ausprobieren, Neues erleben und mit ihren Fähigkeiten sichtbar werden können. Das Förderprogramm ermöglicht kulturelle Teilhabe, stärkt junge Menschen durch Musik und leistet damit zugleich einen wichtigen Beitrag zu Integration, Begegnung und gesellschaftlichem Zusammenhalt.“

 

Bildungschancen dürfen keine Förderlücken haben

 

Eine Verzögerung oder Schwächung der nächsten Förderphase würde den bildungspolitischen Erfordernissen in zentralen Zukunftsfeldern entgegenlaufen. Sie würde die Reichweite und Wirkung des Programms verringern, gewachsene lokale Strukturen schwächen und dazu führen, dass deutlich weniger Kinder und Jugendliche in Risikolagen erreicht werden. Zugleich droht ein Förderknick: Erhalten die Programmpartner nicht rechtzeitig Planungssicherheit, müssten zahlreiche lokale Bündnisse ihre Arbeit für bis zu ein Jahr unterbrechen. Qualifizierte Fachkräfte gingen verloren, gewachsene Netzwerke würden auseinanderbrechen und wertvolle Erfahrungen nicht in die nächste Förderphase überführt werden. Das wäre ein erheblicher Rückschritt für Bildungsgerechtigkeit und kulturelle Teilhabe in Deutschland.

Damit die vierte Förderphase nahtlos beginnen kann, müssen die notwendigen Voraussetzungen jetzt geschaffen werden. Dazu gehört, die neue Förderrichtlinie noch 2026 vorzulegen und die Bewilligungen spätestens im Sommer 2027 zu erteilen. Die neue Förderrichtlinie sollte dabei die bewährten Strukturen des Programms erhalten – die lokalen Bündnisse für Bildung, die Vielfalt der Programmpartner als Spiegel der außerschulischen kulturellen Bildung sowie die Verfahren der Mittelweiterleitung, Qualitätssicherung und fachlichen Begleitung. Nur so können die hohe Qualität des Programms gesichert, gewachsene Strukturen erhalten und die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen nachhaltig gestärkt werden.

Planungssicherheit ist die Voraussetzung dafür, dass bewährte Strukturen erhalten bleiben und Kinder und Jugendliche auch über 2028 hinaus verlässlich von kultureller Bildung profitieren können.

 

Über „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“

 

Seit 2013 wurden im Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesbildungsministeriums bundesweit über 1,6 Millionen Teilnehmende mit rund 55.000 Projekten erreicht. Ermöglicht wurde dies durch insgesamt über 21.000 Bündnisse für Bildung, die aus je mindestens drei Bündnispartnern bestehen. So waren an der Umsetzung des Programms bisher 100.000 zivilgesellschaftliche Akteure beteiligt, die in 99 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städten Projekte für Kinder und Jugendliche, insbesondere in Risikolagen, umgesetzt haben. Gerade die Zusammenarbeit verschiedenster Akteure bewirkte, dass nahezu die Hälfte der Projekte in den ländlichen Regionen Deutschlands umgesetzt wurden und damit ein erheblicher Beitrag zu gleichwertigen Lebensverhältnissen geleistet werden konnte.

 

Die Programmpartner in „Kultur macht stark“

 

27 Programmpartner erreichen als Förderer und Initiativen die lokale Ebene vor Ort, sie machen die Breite der kulturellen Bildungsprojekte möglich, beraten und qualifizieren die Bündnisse und setzen sich für die Weiterentwicklung des Bundesprogramms ein.

 

Mit seinem Konzept MusikLeben 3 unterstützt der VdM im Rahmen von „Kultur macht stark“ bundesweit lokale Bündnisse bei der Entwicklung und Umsetzung musikalischer Bildungsprojekte. Für den Zeitraum 2023 bis 2027 stehen dem Verband dafür bis zu 20 Millionen Euro zur Verfügung. Die große musikpädagogische Bandbreite von MusikLeben 3 zeigt sich in bislang rund 1.900 Projekten für Kinder und Jugendliche in Risikolagen. Sie macht zugleich die hohe Professionalität und langjährige Erfahrung der VdM-Mitgliedsmusikschulen sichtbar. Damit erweisen sich die öffentlichen Musikschulen einmal mehr als unverzichtbare Orte musikalischer Bildung, kultureller Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalts und gelebter Bildungsgerechtigkeit.

 

Aktion Tanz – Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft e. V. • Alevitische Gemeinde Deutschland K.d.ö.R. • ASSITEJ e. V. Bundesrepublik Deutschland • BAG Zirkuspädagogik e. V. • Bundesmusikverband Chor & Orchester e. V. • Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V. • Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise e. V. • Bundesverband Freie Darstellende Künste e. V. • Bundesverband Jugend und Film e. V. • Bundesverband Netzwerke von Migrant*innenorganisationen e. V. • Bundesverband Popularmusik e. V. • Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. • DAGESH. Jüdische Kunst im Kontext, ein Programm von DialoguePerspective e.V. • Deutscher Bibliotheksverband e. V. • Deutscher Bühnenverein – Bundesverband der Theater und Orchester • Deutscher Museumsbund e. V. • Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V. • Deutscher Volkshochschul-Verband e. V. • Fonds Darstellende Künste e. V. • JFF – Jugend Film Fernsehen e. V. • Paritätisches Bildungswerk Bundesverband e. V. • Spielmobile e. V. –  Bundesarbeitsgemeinschaft der mobilen spielkulturellen Projekte • Stiftung Digitale Spielekultur gGmbH • Stiftung Lesen • Türkische Gemeinde in Deutschland e. V. • Verband deutscher Musikschulen e. V. • Zirkus macht stark – Zirkus für alle e. V.

 

 

 

Kontakt

 

Tilla Clüsserath
Projektbüro „Bündnisse für Bildung“

Verband deutscher Musikschulen e. V.
Tel. 0228 / 95706-92
cluesserath@musikschulen.de

 

Claudia Wanner
Pressesprecherin

Verband deutscher Musikschulen e. V.
Tel. 0228 / 95706-21
presse@musikschulen.de


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(c) Verband deutscher Musikschulen e.V., www.musikschulen.de
gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes
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