08.06.2017 | VdM Verband deutscher Musikschulen

Ein Abend voller Höhepunkte – Die Deutsche Streicherphilharmonie gab in der Remise eine Kostprobe ihres Könnens

Konzertkritik von Tom Steinicke in der Kölner Rundschau

Zülpich-Langendorf. Nein, das war kein gewöhnliches Konzert. Das war eine Liebeserklärung an die klassische Musik. Die Deutsche Streicherphilharmonie begeisterte die 260 Zuhörer in der Remise der Burg Langendorf mit ihrem Können und einer Darbietung auf allerhöchstem Niveau.

 

Doch was ist die Deutsche Streicherphilharmonie, die das ehemalige Wirtschaftsgebäude mit locker-leichten Klangwolken füllte, eigentlich? „Sie ist das bundesweite Spitzenensemble für hoch talentierte Streicher zwischen elf und etwa 20 Jahren. Vier- bis siebenmal im Jahr kommen die jungen Musiker, die sich über ein Probespiel qualifiziert haben, zusammen, um auf höchstem Niveau zu proben und Konzerte zu geben“, erklärte Brigitte Baldes, die Organisatorin des Orchesters. Ein festes Dozententeam aus Mitgliedern des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin sorge für eine umfassende Förderung der einzelnen Stimmgruppen, führte sie weiter aus...

 

Wie außergewöhnlich die Stimmgruppen sind, wurde beim ersten Konzert der Remise-Saison bereits nach wenigen Takten deutlich. Der künstlerische Leiter Wolfgang Hentrich dirigierte mit viel Leidenschaft und Einfühlungsvermögen die jungen Ausnahmekünstler und setzte dabei hörbar auf Präzision. Hentrich, selbst Violinist, hat seine Schützlinge bereits zu einem homogenen Ganzen geformt, das dem eines Berufsorchesters wohl kaum nachsteht.

 

„Der Saal der Remise ist sehr schön zu bespielen. Natürlich ist es anders als beispielsweise in einer Philharmonie, aber es macht den Musikern unheimlich viel Spaß“, berichtete Brigitte Baldes. Der Nachwuchs war nicht nur aus ganz Deutschland nach Langendorf gekommen, um das Familienkonzert
zu spielen. „Wir haben am Vormittag mehrere Stunden geprobt und uns am Nachmittag noch eine Stunde warmgespielt“, so Hentrich.


Die 38 Nachwuchsmusiker begannen mit ihrer Interpretation von Mozarts „Divertimento KV 138“. Ihr Klang war schwungvoll und blieb dank der recht kleinen Besetzung – das Orchester spielt sonst in der Regel mit 65 Musikern – ebenso duftig wie transparent, so dass der galante Stil und das Formprofil zum Tragen kamen. Ansprechend herausgearbeitet war die Terrassendynamik im „Andante“ – dem gehend, schreitenden Tempo in der klassischen Musik.


Der homogene Streicherklang des jungen Spitzenorchesters ist vor allem der kontinuierlichen und überaus engagierten Arbeit des langjährigen Dozententeams zu verdanken. Das wurde bei der Aufführung von Mozarts Werk deutlich. Die Musiker erinnerten auf der Bühne an das Frühlingserwachen
der Natur bei den ersten warmen Sonnenstrahlen nach einem harten Winter – voller Lebens- und Spielfreude.


Im zweiten Stück des Tages kam ebenfalls die gesamte Bandbreite des Orchesters zum Tragen. Das „Adagietto“ aus der fünften Sinfonie von Gustav Mahler wurde jahrzehntelang kaum aufgeführt, dann aber zum Hit. Dafür sorgte Luchino Viscontis Film „Tod in Venedig“ aus dem Jahr 1971. Blutig ging es in der Remise nicht zu, dafür unheimlich zart und dennoch leidenschaftlich wie bei einer Liebeserklärung an die klassische Musik.


Für Tara und Luca Wissel war es in Langendorf das letzte Konzert mit der Streicherphilharmonie. Die jungen Nachwuchsmusiker waren aber auch bei Claude Debussys „Deux Danses“ ein wertvoller Bestandteil und fügten sich nahtlos in das außergewöhnlich gute Harfenspiel von Sarah Christ ein.

 

Nach der Pause gab es für das begeisterte Publikum noch ein Werk von Josef Suks. Die Streicherserenade op. 6“ gelang mit einer großen Portion Eleganz. Eine kurzes Highlight des Abends, der gefühlt ein Feuerwerk an Höhepunkten war.

 

Das nächste Konzert in der Remise in Langendorf steht am Samstag, 20 Mai, auf dem Programm. Ab 19 Uhr spielt dann das Landesjugendorchester NRW auf der Bühne.

 

 

Tom Steinicke (Kölner Rundschau, 3. Mai 2017)

 


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