Früher und heute. Kinder musizieren mit Senioren

 

Mias* Oma wohnt weit weg. Wenn man sie fragt, erzählt sie, dass sie gerne mehr mit ihrer Großmutter zusammen sein würde. „Meine Oma kennt die schönsten Lieder und kann noch richtig gut singen. An Weihnachten haben wir viel gemeinsam gesungen“, schwärmt die 5-Jährige. Vielleicht war das eine Erfahrung für Mia, die sie motivierte am Musikprojekt „Früher und heute“ der Musikschule der Landeshauptstadt Kiel teilzunehmen. Hier singen und musizieren Kinder mit Seniorinnen und Senioren gemeinsam.

 

 

Das Projekt, das im Rahmen des Programms „Kultur macht stark“ gefördert wird, ist ein lokales Bündnis zwischen der Musikschule der Landeshauptstadt Kiel, der AWO Kita Krummbogen und dem Seniorenheim Prof. Esmarch Haus des Kieler Stadtklosters. Ein halbes Jahr lang treffen 10 Kita-Kinder auf 10 Senioren, um gemeinsam zu musizieren. Zwei Referentinnen arbeiten gemeinsam mit einer Pflegekraft für die Senioren. Zwei Betreuerinnen sind für die Kinder da. „Ziel unseres Projekts ist die Förderung des Lernens der Kinder im Vorschulalter in einem neuen sozialen Umfeld. Ich glaube, dass die Kinder viel beim gemeinsamen Musizieren mit Seniorinnen und Senioren lernen können“, erklärt Rainer Engelmann, Leiter der Kieler Musikschule.

 

Viele Kinder wachsen wie Mia weit entfernt von den Großeltern auf und haben dadurch sehr wenig Bezug zu älteren Menschen. Durch das gemeinsame Musizieren knüpfen ältere und junge Menschen Kontakt, nehmen eine andere Welt wahr und können somit wertvolle Eindrücke einer anderen Generation gewinnen. „Die Kinder bringen uns so viel Leben und Freude ins Haus“, freut sich eine Bewohnerin des Seniorenheims Prof. Esmarch Haus. „Ich habe keine eigenen Enkel, mit denen ich musizieren könnte und ich singe doch so gerne!“ Eine zentrale Rolle innerhalb des Projektes spielt das gemeinsame Singen, sowie das Klatschen von Rhythmen und das Musizieren auf Orff-Instrumenten. Die Kinder und Senioren bringen sich gegenseitig alte und neue Lieder näher. Tänze und Erzählungen befördern zusätzlich Abwechslungsreichtum in die Veranstaltungen. So war im Frühjahr das Thema Winter. Die Kinder tanzten, um den Winter zu verscheuchen und gingen so ihrem Bewegungsdrang nach. Die Senioren schauten zu und erfreuten sich am Eifer der Kinder. Dann kehrte Ruhe ein und eine Seniorin erzählte von einem Winterereignis aus ihrer Kindheit. Andächtig hörten die Kinder zu. Danach lernten sie das Lied „Winter ade“ von den Senioren und alle sangen gemeinsam.

 

Die Vorfreude auf das jeweils nächste Treffen in der folgenden Woche ist auf beiden Seiten groß. „Die Gruppe wächst nach und nach immer mehr zusammen. Das führt zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und fördert den Aufbau gegenseitigen Respekts“, ist sich Musikschulleiter Engelmann sicher. Gerade sozial- und bildungsbenachteiligte Kinder würden davon in besonderem Maße profitieren. Das sieht auch Mia so: „Ich habe ganz viele neue Lieder gelernt. Wenn ich meine Oma wieder besuche, singe ich ihr die mal vor.“

 

*Namen von der Redaktion geändert.


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