Workshop Cajonbau - Wir bauen Instrumente und lernen sie zu spielen

Im Hof des Kinder- und Jugendhauses in der Hildesheimer Nordstadt passiert etwas. Ein Dutzend Kinder und Jugendliche sind konzentriert und eifrig beschäftigt. Hier werden Holzplatten in verschiedenen Größen geleimt, dort werden diese mit Akkuschraubern zusammengesetzt, anderswo werden Löcher gesägt und Holzkisten geschliffen. Die Szene ist erfüllt vom Surren der Akkuschrauber, dem rhythmischen Schleifen und den Stimmen der Kinder. Es ist ein buntes Treiben an diesem schönen Sommertag im Hof direkt am Herrmann-Löns-Park.

 

 

Was passiert hier? Wir bauen Instrumente aus Holz. Eine Cajon. Eine Trommel zum darauf sitzen. Die Cajon sieht aus wie eine Holzkiste, lässt sich aber spielen wie eine Trommel. Die Schnarren im Inneren machen die Holzkiste zum Instrument. Die Legende besagt, dass in Südamerika Sklaven in den Häfen begannen auf den Transportkisten für Bananen oder Tee zu trommeln, da ihnen keine anderen Instrumente zur Verfügung standen. Im frühen 20. Jahrhundert gelangte die Cajon durch Paco de Lucia von Peru nach Spanien. Dort wurde sie ein Teil der Flamenco Musik. Und heute bauen wir sie mit den Kindern selbst.

 

Nach dem Prinzip „Jedem Kind sein Instrument“ schaffen wir nicht nur die Möglichkeit, dass jedes Kind sein eigenes Instrument mit nach Hause nehmen kann, wir schaffen darüber hinaus einen Erfahrungsraum in dem, ganz analog, der haptische Prozess des Entstehens der Instrumente fühl- und erfahrbar wird. In unseren Instrumentenbauprojekten lernen die Kinder den Umgang mit Holz, Leim, Akkuschraubern und Schleifpapier. Sie lernen wie die Holzplatten zu einem Instrument werden können. Sie bauen in kleinen Gruppen gemeinsam die Cajons für ihre Gruppe. Hierbei wird die Kommunikations- und Koordinationsfähigkeit der Kinder geschult und entwickelt, indem diese sich im Prozess des Bauens als Gruppe organisieren. Die Freude am Bauen, an dem Erfolgserlebnis ist groß und wenn dann das zusammengesetzte Holz als Cajon erklingt strahlen die Kinder vor Freude an ihrem selbstgebauten Instrument.

 

Organisiert und durchgeführt wird das Projekt „Wir bauen Instrumente und lernen sie zu spielen“ von der Musikschule Hildesheim e.V.

Die Musikschule ermöglicht unterschiedliche Projekte zur kulturellen Teilhabe bildungsbenachteiligter Kinder und Jugendlicher. Es ist wichtig, dass diese Angebote an den Orten stattfinden an denen sich die Kinder und Jugendlichen aufhalten, die Orte die bereits in ihren Alltag integriert sind und die Strukturen schaffen. Kulturelle Teilhabe kann oft nur durch dezentrale Praxis erfolgreich funktionieren und das Instrumentenbauprojekt ist ein Beispiel dafür.

 

12 Mädchen und Jungen zwischen 12 und 18 Jahren nehmen an jeweils einem der Bauprojekte teil. Im Anschluss lernen sie in einem fortlaufenden Angebot ihr selbstgebautes Instrument zu spielen. In Kooperation mit den Jugendhäusern und soziokulturellen Zentren in Hildesheim und im umliegenden Landkreis werden gezielt Kinder und Jugendliche erreicht die durch strukturelle Umstände vom kulturellen Angebot ausgeschlossen sind. Die Musikschule Hildesheim e.V. führt die Instrumentenbauprojekte mit einem erfahrenen Team aus Musikern und Sozialpädagogen an unterschiedlichen Orten durch und erreicht auch viele Kinder mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund.

 

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts ist der Empowerment Ansatz, die Ermutigung der Kinder und Jugendlichen selbstbestimmt zu handeln. Viele Mädchen führen bei uns ihre ersten handwerklichen Tätigkeiten durch, da sie oft in ihrem Umfeld aufgrund der männlichen Assoziierung des Handwerklichen davon ausgeschlossen sind. Das „dürfen“ steht hier im Mittelpunkt, sowie das aufeinander Achtgeben, die Angst vor dem Nicht-Können abzubauen und Vertrauen in das eigene „Schaffen“ aufzubauen. In dem Prozess des Bauens sind alle gleichberechtigt. Es begegnen sich Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturkreisen und lernen zusammen zu arbeiten.

 

Musik und gerade Trommeln ist ein kraftvolles Werkzeug Freude, Motivation und Selbstsicherheit zu unterstützen. Sie hilft die Kommunikation in einer Gruppe zu stärken und sich selbst zu spüren. In der stetigen Digitalisierung unseres Alltags, in dem die Stimulationen mehr und mehr von außen kommen ist es wichtig, dass es für Kinder und Jugendliche Erfahrungsräume des selbst gemachten gibt. Es stärkt den Glauben in die eigenen Fähigkeiten und macht einfach Spaß! Das merken wir in den Stolzen Augen der Kinder und Jugendlichen nach dem Bauen der Cajons und der Freude am gemeinsamen Trommeln in den Spielkursen.


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