03.08.2020 | Deutsche Streicherphilharmonie

Junge Künstler begeistern ihr Publikum

Konzertkritik von Inge Braune in den Fränkischen Nachrichten vom 11. Juli 2020

Weikersheim. Regelrecht herbeigesehnt hat das Publikum das erste Orchesterkonzert nach der Corona­Pause: Etwa 130 Musikfreunde hatten das Glück, Karten zu ergattern. Mindestens ebenso herbeigesehnt haben auch die jungen Musiker ihren ersten gemeinsamen Auftritt nach vier Monaten Einzelspiel.

 

Auch das Tauberphilharmonie­Team freute sich auf den Abend: „Endlich ist hier wieder ein Streichorchester zu hören, endlich bringen wieder Jugendliche Leben ins Haus“, so Intendant Johannes Mnich in seiner kurzen Begrüßung des Publikums und der knapp 30 Mitglieder des mit Mitgliedern im Alter von elf bis 20 Jahren jüngsten Streichorchesters der Republik.  

 

Eigentlich gehören dieser 1973 als „Rundfunk-Musikschulorchester“ der DDR gegründeten Formation rund 70 Streichertalente der Musikschulen aus dem gesamten Bundesgebiet an. Zu erleben war am Mittwoch rund die Hälfte des Auswahlorchesters, das seit 1991 vom Verband deutscher Musikschulen getragen wird.

 

 

Premiummitglied

Als „Deutsche Streicherphilharmonie“, kurz DSP, gehört das Orchester zu den Premiummitgliedern der Jeunesses Musicales Deutschland, wie JMD-Generalsekretär Ulrich Wüster verriet.

 

Die Covid 19-Pandemie fordert auch Musikern die Einhaltung von Distanz- und Hygieneregeln ab und erzwang eine Orchesterteilung für die Proben- und Arbeitsphase in Weikersheim. Dirigent Wolfgang Hentrich, Erster Konzertmeister der Desdner Philharmonie und seit 2013 Chefdirigent des jungen Orchesters, machte gemeinsam mit der JMD und der Musikakademie Schloss Weikersheim aus der Corona-Not eine Tugend und buchte zwei unmittelbar aneinander anschließende·viertägige Arbeitsphasen für jeweils etwa die Hälfte der jungen Musiker.

 

Für Freunde der Streichmusik sorgt das gleich doppelt für Freude, denn sie kommen in den Genuss von gleich zwei Konzerten in der Tauberphilharmonie: Das zweite·in dann neuer Besetzung und variiertem Programm – einzelne Karten können noch geordert werden unter https://www.tauberphilharmonie.de/programm-tickets – folgt am Sonntag, 12. Juli, um 19.30 Uhr. Am Mittwoch erwiesen die jungen Musiker und Musikerinnen zunächst Ludwig von Beethoven ihre Reverenz mit der Orchesterfassung des dritten Satzes aus Beethovens letztem abgeschlossenen, als Streichquartett konzipierten Werk op. 135. Weich, fein moduliert, unglaublich exakt und ausdrucksstark ließ das junge Orchester das Publikum den Zauber des Spätwerks erleben: Fragen und suchen, sehnen und lassen scheint der Komponist kurz vor seinem Tod in ein ,,Ja" ausklingen zu lassen.

 

14-Jährige brilliert

Im zweiten und dritten Satz aus Joseph Haydns Violinkonzert C-Dur brillierte die erst 14-jährige aus Spanien stammende Geigerin Julia Duenas als Solistin des Orchesters, ehe sie mit „Obsession“, dem ersten Satz der als „Thibaud-Sonate“ bekannten Solo-Violinensonate No. 2 von Eugène-Auguste Ysaÿe, begeisterte. Wie die zierliche Violinistin die Bach-Zitate und das Dies-Irae-Thema, die rasanten Stimmungs- und Tempiwechsel umsetzte, be- und verzauberte das Publikum im Saal ebenso wie das auf der Bühne lauschende Orchester: Völlig neidlos mischte sich der durch klopfende Bögen ausgedrückte Beifall des Orchesters in den hoch verdienten Beifall des Publikums. Kein Wunder, dass diese bereits mit etlichen internationalen Preisen ausgezeichnete junge Künstlerin bereits mit der DSP, Stargeigerin Lidia Baich und dem Radio-Symphonieorchester Wien auftrat.

 

Antonin Dvořák 1875 entstandene fünfsätzige Streicherserenade E-Dur: ein Gedicht. Und das soll nur ein halbes Streichorchester sein? Da galt es, ganz tief durchzuatmen, sich einfach fallen zu lassen in die weichen, dann tänzelnden, heiteren und träumenden Klänge und wieder aufzutauchen im lebhaften Finale. Zum allerersten Mal im DSP-Programm: „Oblivion“ von Astor Piazzolla, dessen Geburtstag sich im kommenden Jahr zum einhundertsten Mal jährt.

 

Der argentinische Bandoneon­Spieler und Komponist, Begründer des Tango Nuevo, legte das Stück 1972 vor – eine perfekte Kombination von klassischer Musik und Tango, bei der es sich Dirigent Hentrich nicht nehmen ließ, selbst zur Violine zu greifen.

 

Hochaktuelle Zugabe

Mit Vivaldis „Sommer“ aus „Die vier Jahreszeiten“ beendete das Orchester das Konzert und ließ sich nach brandendem Applaus nur zu gern eine Zugabe abbetteln – eine hochaktuelle, denn der Komponist Ennio Morricone – jeder kennt sein „Spiel mir das Lied vorn Tod“ – starb erst vor wenigen Tagen.

 

Mit einer wunderbaren Umsetzung des knapp viereinhalbminütigen Songs „Deborahs Theme“, dem dritten Titel des 1984 von Sergio Leone verfilmten Gangster Epos „Es war einmal in Amerika“ verabschiedeten sich die Akteure des Abends. Das Publikum klatschte noch, als sie die Bühne längst verlassen hatten. Unglaublich, was diese jungen Musiker in sage und schreibe vier Probentagen in Weikersheim erarbeitet haben.

 

Eigens komponiertes Werk

Bereits am Donnerstag reiste die andere Hälfte der Deutschen Streicherphilharmonie an, um ebenfalls unter Corona-Bedingungen erstmals wieder gemeinsam zu proben.

 

Neben Dvořák, Piazzolla und Vivaldi stehen dann zeitgenössische Werke von Karl Jenkins, Dietrich Zöllner und Leroy Anderson auf dem Programm. Besonders spannend dürfte dabei „Poco lnsanimus“ werden, ein eigens von Zöllner für die DSP komponiertes Werk, das erst am 10. Januar diesen Jahres im Dresdner Kulturpalast seine Uraufführung erlebte.

 

Inge Braune (Fränkische Nachrichten, 11.07.2020)


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