18.10.2017 | Landesverband der Musikschulen Hessen e.V.

Luftballonwettbewerb und Abendkonzert

Zum 50-jährigen Jubiläum des Verbandes deutscher Musikschulen in Hessen

Unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier lud der Verband deutscher Musikschulen in Hessen (VdM-Hessen) am Samstag, 30. September 2017 zu einer besonderen Feierstunde ins Kurhaus Wiesbaden. Der VdM-Hessen macht sich seit nunmehr 50 Jahren für die musikalische Bildungslandschaft in Hessen stark. Er vertritt als Verband die Interessen der öffentlichen Musikschulen in Hessen und koordiniert ihre Vernetzung.

 

Zahlreiche Gratulanten entboten im Vorfeld ihre Glückwünsche. Darunter Vertreter des Hessischen Landtages, der Hessischen Ministerien, des Hessischen Städtetages, des Städte- und Gemeindebundes, des Landkreistages, des Landesmusikrates, der Verbände, Akademien, Volkshochschulen, Städte und Gemeinden sowie Vertreter der Musikschulen und der Trägervereine.

 

Zur Eröffnung des Festtages versammelte sich bereits am Vormittag ein Chor aus rund 650 Grundschulkindern im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Kurhauses. Dieser besondere musikalische Geburtstagsgruß demonstrierte einmal mehr die geglückte Kooperation zwischen den Musikschulen und den allgemeinbildenden Schulen im Land. Im Anschluss ließen die kleinen Sängerinnen und Sänger die Luftballons eines großen Ballonwettbewerbs vor dem Kurhaus aufsteigen.

 

Nach einem kulinarischen und musikalischen Auftakt im Foyer des Kurhauses begann um 19.00 Uhr das große Festkonzert im Friedrich-von-Thiersch-Saal. Moderator Harry Wenz führte humorvoll, locker und kurzweilig durch ein abwechslungsreiches Programm, das von Ensembles und Solisten der öffentlichen Musikschulen präsentiert wurde und einen eindrucksvollen Querschnitt durch das vielfältige Bildungsangebot und das Qualitätsniveau der Musikschulen Hessens zeigte.

 

Musik überwindet alle Grenzen und verbindet Menschen. Musikschulen eröffnen neue Räume für musikalische Begegnungen. Zwei Ensembles waren im Konzert vertreten, die das Motto „Inklusion live“ leben. Sowohl im Ensemble „Trotzdem und Freunde“ der Kreismusikschule Limburg e.V. als auch in der integrativen Band „Rainbow Singers“ der Musikschule Main-Kinzig e.V. in Kooperation mit der Lebenshilfe Gelnhausen e.V. musizieren behinderte und nicht behinderte Menschen in einem Orchester und zeigen, dass Inklusion mit und durch Musik vorbildlich gelingen kann.

 

Michael Eberhardt, Vorsitzender des VdM-Hessen, sprach die begrüßenden Worte. Unter der Überschrift „Aus der Vergangenheit in die Zukunft geschaut“ schilderte Eberhardt die verschiedenen Stationen und Entwicklungsabschnitte des VdM-Hessen. Seit dem Gründungsjahr 1967 bilden drei Aspekte die grundlegenden Konstanten der öffentlichen Musikschularbeit: musikalische Volksbildung, qualitative Verbesserung der Musizierpraxis und Teilhabemöglichkeit für sämtliche Bevölkerungsgruppen. In Hessen arbeiten laut Eberhardt zur Zeit 66 öffentliche – staatlich geförderte – Musikschulen in kommunaler Trägerschaft oder in der Rechtsform gemeinnütziger anerkannter eingetragener Vereine unter dem Dach des VdM-Hessen zusammen. Insgesamt unterrichten 3.000 Fachlehrkräfte in rund 120 Städten und Gemeinden ca. 114.000 Schülerinnen und Schüler. Es laufen rund 600 Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen an 360 Standorten, bei denen über 16.000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Hinzu komme ein dichtes Netz von Kooperationen mit Kindertagesstätten und Musikvereinen.

 

Trotz dieser qualitativ und quantitativ gut aufgestellten Arbeitsbereiche öffentlicher Musikschulen sei das Bild trügerisch. Durch die im Ländervergleich anteilig zu hoch ausfallenden Unterrichtsgebühren, die in Hessen mancherorts zu über 80 Prozent von den Eltern getragen würden, und durch die unzureichende Anzahl existenziell gesicherter Arbeitsplätze bestehe Handlungsbedarf. Vor allem fehle es an Lehrkräftenachwuchs, da zu viele Musikstudierende nach abgeschlossenem Studium in andere Bundesländer abwanderten, in denen sie nicht prekär sondern in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt würden. Der VdM-Hessen stelle sich diesen Problemen und strebe die Gründung eines Kuratoriums an, das den Fortbestand der hessischen Musikschulen mit sozialem Auftrag sichern solle.

 

Ein Projekt besonderer Art verbindet drei Ausbildungsinstitute in Nordhessen: Rund 50 Kinder, jugendliche und erwachsene Schülerinnen und Schüler der Musikschulen Wolfhager Land, Schwalm-Eder und Kassel musizieren in einem kompletten symphonischen Orchester unter der professionellen Leitung von Dirigent Xin Tan, Kapellmeister des Staatstheaters Kassel. Die 2012 gegründete „Junge Philharmonie Nordhessen“ möchte jungen Musikerinnen und Musikern klassische Orchestermusik näher bringen. Dass dies gelingt, bewies die durchaus professionelle Wiedergabe des 4. Satzes „Allegro con fuoco“ aus Dvoráks Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“.

 

Das Grußwort des Hessischen Kultusministeriums überbrachte Kultusminister R. Alexander Lorz. Er würdigte vor allem die Projekte und Kooperationen zwischen allgemeinbildenden Schulen und öffentlichen Musikschulen. Sie seien maßgeblich in einer sich verändernden Schullandschaft hin zur ganztägig arbeitenden Schule. Er bedankte sich für die vielen gelungenen Kooperationen wie im Programm „JeKi“ und dem daraus entstandenen Nachfolgeprogramm „ZusammenSpiel Musik“ und wünschte sich für die Zukunft eine Vertiefung dieser Vernetzung.

 

Den Auftrag zu „vielfältigster vokaler und  instrumentaler Musizierpraxis“ – wie in den Statuten des VdM für die öffentlichen Musikschulen gefordert – demonstrierten die am Konzert teilnehmenden Ensembles:

das Holzblasensemble „Holzgebläse“ aus der Wiesbadener Musik- und Kunstschule e.V. unter der Leitung von Daniela Rathay mit einem Arrangement des Muppet Show-Themas, das mehrfach ausgezeichnete Cello-Ensemble „Cellyptica“ der Musikschule Schöneck-Nidderau-Niederdorfelden e.V. unter der Leitung von Christoph Möller mit dem Arrangement „The Unforgiven“ von Metallica, das Akkordeon-Orchester der Kreismusikschule Oberlahn e.V. unter Ulrike Viel mit einer mitreißenden Interpretation der „Slavonska Rhapsodija“ von Adolf Götz sowie „Flute Connection“ der Musikschule Friedberg e.V. unter der Leitung von Sabine Dreier mit dem berühmten Filmsong „Over the Rainbow“ von Harold Arlen.

Respekt, einander Zugeneigt-Sein und Aufeinander-Hören gelten als pädagogische Grundprinzipien des kammermusikalischen Zusammenspiels. Eine vorbildliche Form des konzertanten Dialogs gelang dem Streicher-Ensemble der Musikschule Langen mit dem Konzert D-Dur für vier Violinen von G. Ph. Telemann. Die vier Spielerinnen im Alter von 10 bis 15 Jahren musizierten hingebungsvoll die schwierigsten polyphonen Partien, mit sauberer Intonation und sehr lebhafter Kommunikation untereinander.

 

Für zwischenzeitliche Lockerungsbewegung im Publikum sorgte Überraschungsgast Ulrich Moritz. Der Berliner Bodybeat-Spezialist rockte den Saal mit lockeren, jazzigen, rhythmisch skandierten Klatsch-, Schnips- und Sprechversen und gewann auf Anhieb die Sympathie aller Anwesenden.

 

Der Bildungsauftrag der öffentlichen Musikschulen erstreckt sich auch auf die Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler. Zwei junge Preisträger von „Jugend musiziert“ stellten dies im Konzert unter Beweis. Die fünfzehnjährige Harfenistin Leonie Minor aus der Musikschule Butzbach e.V. mit dem bravourösen „Baroque Flamenco“ von Deborah Henson-Conant sowie der siebzehnjährige Pianist Felix Eckhardt aus der Musikschule Frankfurt e.V. mit dem brillanten „Basso Ostinato“ von Rodion Shchedrin

 

Festredner Oliver Scheytt, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, gilt als Vordenker in Sachen Kulturpolitik. Sein Wortbeitrag hob ab auf geschichtliche, ästhetische und ökonomische Definitionen zum aktuellen Kulturbegriff, die Wertigkeit von Kultur als prägender Entwicklungskonstante der Gesellschaft. Mit einem Zitat aus der Unesco Weltkonferenz 1982 belegte er einmal mehr die große Bedeutung des kulturellen Bildungsauftrags öffentlicher Musikschulen: „Erst durch die Kultur werden wir zu menschlichen, rational handelnden Wesen, die über ein kritisches Urteilsvermögen und ein Gefühl der moralischen Verpflichtung verfügen.“

 

Das kämpferische Star Wars-Thema, ausgeführt vom „Projektorchester der Südhessischen Musikschulen“ unter Martin Vogel, das den gelungenen Konzertabend beendete, inspirierte Scheytt zu einem visionären und zukunftsträchtigen Schlußwort: „Lasst die Musikschulen leuchten als goldene Sterne, denn der Fixstern VdM gibt allen Orientierung“.


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